Montag, 25. März 2019

Rumänien im Dezember 2018

Mit unserem Transporter voll mit Hilfsgütern und Weihnachtspäckchen verlassen Matthias und ich in Ungarn den Schengenraum. Ein richtiger Grenzübergang mit Beamten und Kontrollen. Hoffentlich kommen wir gut durch. Der Beamte nimmt unsere Ausweise entgegen, wirft uns einen prüfenden Blick zu – und winkt uns durch! Dann wird die Welt ein klein wenig anders, etwas ärmlicher, chaotischer, aber auch etwas herzlicher. Die Häuser in den Dörfern sind klein, bunt und eng aneinandergereiht. Manchmal sieht man einen Brunnen mit Eimer und Kurbel vorm Haus, offensichtlich gerade benutzt. Vor den Häusern verlaufen abenteuerlich aussehende Stromleitungen. Zwischen den Siedlungen liegt weitläufiges Brachland, hin und wieder bevölkert von einer Schafherde mit Hirten. Aber auch in der größten Einöde zeigen unsere Handys LTE-Empfang. Wir fahren quer durchs Land nach Moşna, einem Nachbarort von Mediaş, wo wir Claudiu und Bianca besuchen. Die beiden nehmen Kinder auf, die z. b. gleich nach ihrer Geburt im Krankenhaus zurückgelassen worden sind. Aktuell wohnen bei ihnen sieben Kinder. Claudiu und Bianca sind voller Freude und Energie. Sie kümmern sich nicht nur um ihre aufgenommenen Kinder, sondern unterstützen auch Leute in ihrer Umgebung, u. a. Roma-Familien. Wir lassen einige Hilfsgüter bei ihnen.
Dann durchqueren wir Siebenbürgen in Richtung Osten und erreichen den ungarisch bevölkerten Landkreis Harghita. Unser Ziel: das Harghita Christian Camp in der nähe von Vlăhiţa. in den Karpaten liegt eine geschlossene Schneedecke; wir sehen Kinder den Skihang hinabsausen. Im Camp besucht uns ein Pastor einer Pfingstgemeinde nahe der moldawischen Grenze. Er kümmert sich auch um Roma-Familien. Da wir noch nicht alle unsere Weihnachtspäckchen verplant haben, geben wir ihm einige zum Verteilen mit. einen der Höhepunkte unserer Reise erleben wir am folgenden Tag. im Kulturhaus von Vlăhiţa versammelt sich am Vormittag die komplette örtliche Grundschule. Zuerst führen junge einheimische Christen ein Handpuppenspiel für die Grundschulkinder auf. es geht um die Weihnachtsgeschichte. Anschließend spielt der Flötenkreis der Grundschule und es gibt noch einen Tanz: „Rudolph, the Red Nosed Reindeer“ auf Ungarisch. Dann verteilen wir 340 Weihnachtspäckchen an die Kinder.
An unserem letzten tag in Rumänien besuchen wir Joachim und Christiane Lorenz, ein Thüringer Pfarrerehepaar, das seit über 25 Jahren in Rumänien lebt und in Siebenbürgen evangelische Kirchgemeinden betreut. Wir schauen auch bei Ilse Totea vorbei, einer Siebenbürger Sächsin, die Roma-Familien unterstützt. Wir übernachten bei Thomas und Rosina Depner (85 und 78 J.). schon während des Kommunismus gaben sie an bedürftige Landsleute Kleidung und Lebensmittel weiter, aber auch geschmuggelte Bibeln. Wir laden Weihnachtspäckchen und andere Dinge bei ihnen ab. sie wollen daraus Geschenke für das örtliche Altersheim zusammenstellen – nicht nur für die alten Leute, sondern auch für die Pfleger. beim Abendessen ruft ein Pfarrer aus dem Donaudelta bei Thomas und Rosina an. er kommt in den nächsten Tagen, um Hilfsgüter für seine Gemeinde abzuholen.
Mir geht noch ein Satz von András nach, einem unserer Kontaktleute in Oradea:„nach der Wende kamen viele Hilfsorganisationen. Die meisten von ihnen sind nach zehn Jahren wieder gegangen, obwohl es in Rumänien immer noch große Probleme gibt. Ihr seid geblieben. (Martin Gube)

Freitag, 1. März 2019

Quartalstreffen der Olivenbaum-Gemeinschaft/Polen im Januar 2019


Jeweils im Januar findet das erste Quartalstreffen der Olivenbaum-Gemeinschaft auf der "Farm" in der Nähe von Warschau statt. Unsere polnischen Geschwister laden dazu Vertreter aus anderen benachbarten Ländern ein, die mit ihnen durch den Dienst am jüdischen Volk verbunden sind.                                                                                                                            
In diesem Jahr waren ca. 65 Personen beieinander, darunter Vertreter aus sieben Nationen.
Das Wochenende startete mit einer gemeinsamen Schabbateröffnung. Der Abend war mit Austausch, Zeugnissen und Berichten, sowie gemeinsamen Gebet gefüllt. Das Musikerehepaar Paulina und Szymon Stateczni leitete immer wieder unser Singen während des Wochenendes.
Die geistlichen Einheiten lehnten sich an die Wochenlesungen an, die aus einer 400 Jahre alten Thora-Rolle gelesen wurden. Wieviel silberne Zeigefinger sind wohl in dieser Zeit über den Text geführt worden? Und ist uns bewußt, dass Jesus auch genau den gleichen Text gelesen hat?
Desweiteren gab es ausführliche Berichte über die Dienste der Olivenzweigarbeit, die inzwischen von einer Vielzahl von jungen und auch bewährten ehrenamtlichen Mitarbeitern organisiert und getragen werden.
Was macht diese Dienste aus?
- Grundsätzlich ist es ein Dienst von Geschwistern aus unterschiedlichen Kirchen und Gemeinden, die dem Volk der Juden nahe sein wollen, den jüdischen Geschwistern zur Seite stehen und ihre Bedürfnisse ausfüllen möchten.
- Von Anfang an ist es ein Dienst, der die Alija nach Israel befördert und unterstützt. Während der Zeit des "kalten Krieges" nutzten viele Juden Osteuropas die Reisefreiheit nach Polen, um von hier aus die Ausreise nach Israel zu bewerkstelligen.
- Zu "Ferien mit der Bibel" wurden Holocaustüberlebende eingeladen, um ihnen gute Tage in ruhiger Umgebung und liebevoller Zuwendung zu ermöglichen. Dabei ging es darum, den Leuten Zeugnis über ihren Gott, den Gott Abrahams Isaaks und Jakobs nahezubringen.
- Zu Kindercamps wurden in Absprache mit den jüdischen Gemeinden Kinder aus Weissrussland oder der Ukraine eingeladen, in denen dieses Anliegen ebenfalls im Vordergrund stand. Jüdische Kultur, Geschichte und biblisches Grundwissen wurde altersgerecht vermittelt. Zumeist kamen die Kinder auch aus Tschernobyl-geschädigten Regionen, so dass es für die Kinder auch einen gesundheitlichen Aspekt hatte, in gesunder Umgebung Urlaub zu genießen.
- Ein wesentlicher Aspekt der Arbeit ist es, Kirchen und Gemeinden in Osteuropa zu besuchen und über die Bedeutung des Volkes Israel zu lehren, Kontakte zu den Synagogen und jüdischen Organisationen herzustellen und die Gemeinschaft zwischen Christen und Juden zu befördern. Aus unserer Kenntnis hat dieser Dienst apostolischen und prophetischen Charakter.
- Durch die letzten Jahre wurden eine Vielzahl von Lebenszeugnissen und Lehrbücher ins Polnische übersetzt und verlegt, auch Israelkalender, aus denen die jüdischen Feiertage ersichtlich sind.
- Auch geführte Israelreisen wurden organisiert, zu jüdischen Festen Feiern veranstaltet oder am Marsch des Lebens mitgewirkt.
Immer wieder erlebten wir, wie uns Gustaw (Leiter der Farm) bei Begegnungen sagte, welches Geschenk für sie die Gemeinschaft mit uns bedeutet. Niemals hätten sie sich vorstellen können, dass nach dem Geschehen der schuldbeladenen Vergangenheit Leute aus Polen, Deutschland und Israel in dieser Weise Gemeinschaft erleben. Obwohl sie ein prophetischer Eindruck durch Schwester Yael aus Jerusalem im Jahre 1988 darauf vorbereitet hatte. In diesem Jahr diente uns diese Schwester Yael aus Jerusalem mit der Auslegung der Wochenlesung (Parascha) und mit aktuellen Informationen aus Israel.
Seit über 20 Jahren unterstützen wir die Dienste der Olivenzweig-Gemeinschaft in personeller, materieller und finanzieller Weise. Darum freuen wir uns sehr über Spenden, mit denen wir auch zukünftig helfen können.
Monatlich gibt die Arbeit einen Gebetsbrief heraus, der auch in deutscher Sprache erhältlich ist. Man kann ihn beziehen über folgende Email-Adresse:    drzewo-oliwne@wp.pl     
In diesem Gebetsbrief findet man auch die jeweiligen Schabbatlesungen.                               
Die Website ist zu erreichen über: http://drzewooliwne.com.pl

                        
 



1995 lernten wir die Initiatorin und Mitbegründerin der Gemeinschaft, Halina Ostik, kennen. Wir  waren damals eine 12-köpfige Gruppe der Kiwo-Arbeit, die in Warschau auf dem Weg nach Minsk/Weißrussland Station machte und bei der weißrussischen Botschaft Visa beantragte. Schwester Halina, damals im Alter von 76 Jahren, beeindruckte uns alle in besonderer Weise, geistlich und natürlich. Sie war einfach up-to-date! Bei der Verabschiedung legte sie uns noch eindrücklich nahe, dass wir für unsere Arbeit unbedingt die Kommunikation per "E-Mail" brauchten, was damals für uns noch kein Thema war...

Am 13. Januar dieses Jahres vollendete Schwester Halina ihr 100. Lebensjahr. Aus diesem Grund gab die Gemeinschaft eine Ausarbeitung der Jubilarin aus dem Jahr 1991 heraus, die zeitlos aktuell ist und im Januar-Gebetsbrief der Olivenbaumgemeinschaft abgedruckt ist.             


UNSER  „ÄLTERER BRUDER“
 „…Warum nennen wir Israel unseren älteren Bruder? Eben, weil allein Gott den Vorrang dem Alter nach Israel unter den Völkern bestimmte, und es „den erstgeborenen Sohn“ nannte (2.Mose 4,22), trotzdem Israel eins der jüngsten Völker ist. Wahrlich, seine Geschichte zählt bis vier tausend Jahre (um drei tausend Jahre länger als die polnische Geschichte!), jedoch Israel wurde ein Volk in der Zeit, als schon viele altertümliche Völker und Zivilisationen bestanden.
     Gott nannte Israel seinen „Erstgeborenen Sohn“ zur Zeit, da in der Welt das System der Patriarchen herrschte, in dem die Erstgeburt mit besonderen Verpflichtungen und Privilegien verbunden war. Nach dem Tode des Stammesfürsten übernahm der älteste Sohn seinen Platz und führte alle Sachen seiner jüngeren Brüder.
     Gott kann natürlich das gewohnte Recht ändern und kann das Ältestenrecht dem jüngeren erteilen. Wir kennen zwei solche Fälle, wo Gott das Erstgeburtsrecht dem jüngeren Sohn erteilte. Esau erhielt nicht den Segen, der dem Erstgeborenem zustand, aber Jakob -  der Zwillingsbruder, der als zweiter geboren wurde. Jakob gebrauchte die List, um den Segen zu erschmeicheln; was gar nicht nötig war, denn die Verheißung, die Gott schon früher gab, lautete, „der ältere wird dem jüngeren dienen, d.h. ihm untertan sein“ (1.Mose 25,23), die Hinterlist verspätete nur den Segen, der dem Jakob vorgesehen war. So ähnlich war es mit den Söhnen Josefs. Jakob, erfüllt mit dem prophetischen Geist (Heiligem Geist), erteilte nicht den Segen der dem älteren, Manasse, vorgesehen war, aber dem jüngeren, Ephraim (1. Mose 48,17-19).
     Die Nachkommen Ephraims waren Gott treuer, als die Nachkommen Manasses. Die Nachkommen Jakobs bildeten den Anfang des Volkes Israels, die den allerhöchsten Gott verehrten. Die Nachkommen Esaus waren Heiden, die in den Augen Gottes „ekelhafte Taten“ vollbrachten. Erst im VII Jahrhundert n. Chr. wurden sie Bekenner eines Gottes, aber nicht des Gottes Israels. Die Nachkommen Esaus sind Araber, die den Islam verehren – eine Religion, weit entfernt von der, die Israel, den Nachkommen Jakobs, offenbart ward. Gott sah ihr Verhältnis zur Wahrheit voraus, die Gott der Welt offenbaren wollte, darum entzog er Esau das Erstgeburtsrecht und gab es Jakob.
     So ähnlich ist es in der Völkergemeinschaft, in der jedes Volk ein Sohn Gottes  und Gegenstand der Fürsorge Gottes ist. Gott erwählte für sich das „jüngere“ welches das Erstgeborene sei unter den Brüdern. Im Altertum war Israel das einzige Volk, das die Gesetzgebung von Gott erhielt, das durch Propheten Gottes Anweisungen entgegennahm und Gott als seinen König anerkannte. Darum erteilte Gott ihm den „Vorrang“ über die Völker und nannte es „Anführer der Völker“ (Jer 31,7).
     Aus dem Kontext dieses Verses geht hervor, dass Gott die Völker aufruft, in der Zeit der Zusammenführung des zerstreuten Israels in das verheißene Land,  sich mit Israel mitzufreuen, dass das Los des unglücklichen Jakobs sich verändert hat. „So spricht der Herr: Siehe, ich werde das Geschick der Zelte Jakobs wenden und seiner Wohnstätte mich erbarmen…Am Ende der Tage werdet ihr es recht verstehen…Denn also spricht der Herr: Frohlocket mit Freuden über Jakob, jauchzet über das erste der Völker!
Verkündet es, lobsinget und sagt: Geholfen hat der Herr seinem Volke, dem Rest Israels! Siehe, ich führe sie heim aus dem Lande des Nordens und sammle sie von den Enden der Erde…als große Gemeinde kehren sie hierher zurück. Mit Weinen kommen sie und unter Flehen; ich werde sie leiten…denn ich bin Israels Vater geworden und Ephraim ist mein Erstgeborner. Höret das Wort des Herrn, ihr Völker…! (Jer 30-31).
     Mit ganzer Gewissheit, erst jetzt, in unseren Tagen, kehrt Israel zurück „in großer Gemeinde“, bis aus hundert Landen, bis „vom Ende der Welt“ ins Land, von Gott ihm vorgesehen. Wenn vor unseren Augen sich die Verheißung erfüllt, so muss ebenso für uns die Benennung aktuell sein „Anführer der Völker“, mit anderen Worten „älterer Bruder“ in Bezug zum heutigen Israel.
     Der Apostel Paulus vergewissert uns, und das nicht vor der Kreuzigung, sondern nach der Kreuzigung des Heilandes, dass Gott seine Wahl nicht zurückzog. Denn „…in Hinsicht auf die Erwählung (sind sie) Geliebte um der Väter willen. Denn Gott kann seine Gnadenverheißungen und  seine Berufung nicht gereuen“ (Rö 11,28-29).
     Wie konnte es geschehen, dass unter Christen die Ansicht verbreitet ist, dass nach der Kreuzigung Jesu, Gott seine Gnade Israel entzog und es verwarf? Die ersten Christen, die noch durch die Apostel des Herrn Jesus gelehrt wurden, wussten sehr gut, „Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zum Voraus ersehen hat“ (Rö 11,1-2). Unter keinen Umständen  (Gal 2,7) hätte sich der Apostel Petrus als Apostel „unter den Beschnittenen“ (d.h.Juden) ansehen können, wenn er geglaubt hätte, dass Gott die Juden von seiner erlösenden Gnade ausgeschlossen hat. Im Gegenteil, Die Apostel waren der Ansicht, das Evangelium: „Ist eine Kraft Gottes zum Heil einem jeden, der (daran) glaubt, dem Juden zuerst und auch dem Griechen“ (Rö 1,16).
     Leider warf im Mittelalter die Kirche den Bann auf das Volk Israel, als ob in dieser Weise alle Pogrome und Verfolgungen, welche die Juden in christlichen Ländern erdulden mussten, gerechtfertigt  wären. Es ist schwer zu glauben, aber es ist Tatsache, dass der Bann sich bis in unsere Zeiten hielt. Erst im Jahre 1964, auf dem II Konzil im Vatikan wurde er aufgehoben und in demselben Jahr besuchte der Papst Paul VI, die „Heilige Erde“. Der Bann war verbunden mit unbiblischen Ansichten, die besagten, dass Gott Israel verworfen und seine Gnade ihm entzogen hätte. Diese Ansicht durchdrang das Christentum bis zu diesem Grade, dass sie auch in protestantischen Kreisen angenommen wurde. Ausdruck dessen ist die neue polnische Ausgabe der protestantischen Bibel. Im Titel eines Abschnittes, des Briefes an die Römer (Rö 9,30-33) lesen wir nämlich: „Die Gründe der Verwerfung Israels“, obwohl im Inhalt die Rede nur über den Abfall Israels ist und im folgenden Kapitel betont der Apostel stark, dass Gott sein Volk nicht verworfen hat“.
     Israel ist weiterhin der „ältere Bruder“ in der Völkergemeinschaft. Und wenn es noch irrt (und welches Volk irrt nicht?) so ist es kein Grund, dass wir es nicht sehen wollen, verurteilen, verächtlich oder nicht beachtend uns gegenüber ihm verhalten, so wie es die Welt tut.
     Wir Christen sollten uns um ihr Heil sorgen, um so mehr, da wir Christen hauptsächlich Schuld daran sind, dass es ihnen so schwer ist, Christus anzunehmen.
     Durch 20 Jahrhunderte lebten die Juden in der Zerstreuung. Niemand, weder Heiden noch Moslems setzten ihnen so viel zu wie wir Christen.
     Unser „älterer Bruder“, dem wir unsere Erlösung verdanken (Joh 4,22; Rö 11,11-12), braucht unsere Gebete, Liebe und Hilfe.
„TRÖSTET; TRÖSTET MEIN VOLK“  (Jes 40,1) – ruft Gott.                                                                   Halina P. Ostik